Naturkosmetik · Stand 12.8.2026
Naturkosmetik kaufen: Siegel, INCI-Liste und was „natürlich" bedeutet
„Naturkosmetik" ist in der EU kein rechtlich definierter Begriff. Verbindlich geregelt sind nur die Sicherheit und die Kennzeichnung von Kosmetik über die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 — alles, was darüber hinausgeht, regeln private Standards. Wer weiß, welche das sind und wie eine INCI-Liste zu lesen ist, kauft deutlich zielsicherer.
- Rechtsgrundlage
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel
- Zutatenliste
- INCI, absteigend nach Gewicht bis 1 %, danach frei sortiert
- Private Siegel
- NATRUE, COSMOS/BDIH, Ecocert — jeweils eigene Kriterien
- Nicht geschützt
- „Natürlich", „bio-inspiriert", „frei von" ohne Siegel
- Haltbarkeit
- PAO-Symbol (offener Tiegel) = Monate nach dem Öffnen
- Konservierung
- Naturkosmetik nutzt u. a. Benzyl Alcohol, Sodium Benzoate
Was die Siegel tatsächlich abdecken
NATRUE und COSMOS sind die beiden verbreitetsten europäischen Standards. Beide legen fest, welche Rohstoffe zulässig sind, wie hoch der Anteil an natürlichen und biologischen Bestandteilen mindestens sein muss und welche Verfahren zur Herstellung erlaubt sind. Ausgeschlossen sind in aller Regel Silikone, Paraffine und andere Mineralölbestandteile, synthetische Duft- und Farbstoffe sowie ethoxylierte Rohstoffe.
Beide Standards kennen mehrere Stufen — von „Naturkosmetik" über „Naturkosmetik mit Bio-Anteil" bis „Biokosmetik". Ein Siegel auf der Packung ohne Stufenangabe sagt daher nur die halbe Wahrheit; die genaue Stufe steht meist klein daneben oder in der Zertifikatsdatenbank des jeweiligen Standards.
Nicht zertifizierte Produkte sind deshalb nicht automatisch schlechter. Manche Hersteller verzichten aus Kostengründen auf die Zertifizierung und formulieren trotzdem konsequent pflanzlich. Umgekehrt heißt „mit Bio-Arganöl" auf der Vorderseite noch gar nichts über den Rest der Rezeptur.
Die INCI-Liste lesen
Die Zutaten stehen nach der International Nomenclature of Cosmetic Ingredients auf jeder Packung, absteigend nach Gewichtsanteil — allerdings nur bis zu einem Anteil von 1 %; darunter darf frei sortiert werden. Was auf den ersten drei bis fünf Plätzen steht, macht den Großteil des Produkts aus. Steht dort Aqua, gefolgt von einem Pflanzenöl, ist es eine wasserbasierte Emulsion; steht ein Öl ganz vorn, ist es ein wasserfreies Produkt.
Pflanzliche Bestandteile tragen den botanischen Namen, oft mit einer Ergänzung wie „Oil" oder „Extract" — etwa Simmondsia Chinensis Seed Oil für Jojoba. Duftstoffe erscheinen als „Parfum" oder, bei ätherischen Ölen, als Einzelstoffe wie Linalool und Limonene; deren Nennung ist ab bestimmten Konzentrationen verpflichtend und ist ein Allergiehinweis, kein Qualitätsmangel.
Haltbarkeit, Konservierung und Verpackung
Das Symbol des geöffneten Tiegels mit einer Zahl (etwa „12M") gibt an, wie viele Monate ein Produkt nach dem ersten Öffnen verwendet werden sollte. Produkte mit einer Gesamthaltbarkeit unter 30 Monaten tragen stattdessen ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Naturkosmetik ist häufig kürzer haltbar, weil die zugelassenen Konservierungssysteme milder sind.
Wasserhaltige Produkte brauchen eine Konservierung — daran führt kein Weg vorbei, und Benzyl Alcohol oder Sodium Benzoate sind in zertifizierter Naturkosmetik ausdrücklich erlaubt. Wasserfreie Produkte wie reine Öle oder feste Seifen kommen ohne aus. Spender und Tuben sind hygienischer als offene Tiegel, weil weniger Luft und weniger Hautkontakt ins Produkt gelangen.
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Häufige Fragen
Ist „Naturkosmetik" ein geschützter Begriff?
Nein. In der EU regelt die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 nur Sicherheit und Kennzeichnung von Kosmetik. Was als Naturkosmetik gilt, definieren private Standards wie NATRUE oder COSMOS.
Wie ist die INCI-Liste sortiert?
Absteigend nach Gewichtsanteil, aber nur bis zu einem Anteil von 1 %. Darunter dürfen die Zutaten in beliebiger Reihenfolge stehen. Die ersten Einträge bestimmen den Charakter des Produkts.
Was bedeutet das Symbol mit dem geöffneten Tiegel?
Es ist die „Period after Opening"-Angabe: Die Zahl davor, etwa 12M, nennt die Zahl der Monate, in denen das Produkt nach dem Öffnen verwendet werden sollte.
Enthält Naturkosmetik Konservierungsstoffe?
Wasserhaltige Produkte ja — zertifizierte Standards lassen dafür bestimmte Stoffe wie Benzyl Alcohol oder Sodium Benzoate zu. Wasserfreie Produkte wie reine Pflanzenöle oder feste Seifen kommen ohne Konservierung aus.